:POWEREDBY_broken.hearted:
sleep to dream, dream to sleep

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„alice hinter den spiegeln“ („through the looking glass“) ist der zweite teil von lewis carrolls „alice“-saga.
die welt hinter den spiegeln – oder „down the rabbit hole“, wie im ersten teil – kann als alternative realität betrachtet werden. in wie fern diese realität eine virtuelle ist, bedarf allerdings noch weiterer studien.


das zitat im image stammt aus william gibsons cyberpunk-roman „neuromancer“.


der weitere text beinhaltet auszüge aus meiner literaturwissenschaftlichen hausarbeit zum thema cyberpunk sowie aktuelle ergänzungen.




traum, virtuelle realität und konsens-halluzination
Realität und Identität sind die Schlüsselbegriffe der Cyberpunk-Literatur, behandelt dieses Genre doch die Überlagerung zweier Welten, dem Real Life und der virtuellen Realität. Was ist in diesem Kontext also noch real, was Simulation? Inwieweit kann eine Simulation zur Realität werden? Und wo ist das Individuum, das Selbst in diesem Dualismus zu verorten, in beiden Welten oder nur in einer – und in welcher?



how to become post-human
Im Cyberpunk zeigt sich nicht nur der technische Fortschritt, sondern auch die Sehnsucht unserer Kultur nach einem Ausbruch aus der Wirklichkeit, einer Lösung von den physikalischen Grenzen der Materie. Wurde sich diese Lösung früher nach dem Tode, in einem religiösen Jenseits, erhofft, werden diese Hoffnungen heute auf den Cyberspace projiziert – einem „Ort“, der schon zu Lebzeiten erreicht werden kann, wo die einzigen Grenzen von der Phantasie der Menschen gesetzt werden und der eine Kommunikation jenseits aller gesellschaftlichen Schranken verspricht. Seit den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts nimmt sich auch die Literatur dieser Thematik an, in dem sie die technologischen und bio-technologischen Entwicklungen in Bezug zu den Fragen nach der menschlichen Identität und der Stellung des Körpers setzt.
Cyberpunk beschäftigt sich mit der Rolle der Gesellschaft in einer technologisierten Welt, mit dem durch die Kybernetik revolutioniertem Verhältnis zwischen Mensch und Maschine. So spielen Cyborgs als Verbindung technologischer und organischer Elemente eine zentrale Rolle in Cyberpunk-Romanen, genauso wie die durch Biotechnologie gebotenen Möglichkeiten zur Veränderung des menschlichen Körpers. Die übergeordnete Frage dabei ist, welche Aspekte der Menschlichkeit uns menschlich machen.


transzendiere deinen körper
Typisch für die Cyberpunk-Literatur ist die Ambivalenz zwischen Abwertung und gewünschter Überwindung des Körpers und einer zentralen Stellung der körperlichen Materialität (vgl. CAVALLERO 2000, 100ff). Die „Angst vor dem Fleisch“ wird beschrieben, die reale Welt wird als „fleischlich“ abgewertet. Der Cyberspace bietet Transzendenz, ein Entkommen aus dem „zu fleischlichen, zu menschlichen“ Körper. Die feministische Wissenschaftlerin Donna Haraway erträumt sich vom Cyberspace eine Auflösung der Kategorien von Gender, Rasse und Klasse, eine Vermischung zwischen Mensch-Tier-Maschine und damit eine letztendliche Auflösung des Körpers, die alle Unterscheidungen nichtig macht (vgl. HARAWAY 1995).
Andererseits spielt die Körperlichkeit nicht nur in der Realität eine dominierende Rolle – auch die Szenarien des Cyberspace werden über Sinne wahrgenommen.


„Es steht in der utopischen Tradition, sich eine Welt ohne Gender vorzustellen, die vielleicht eine Welt ohne Schöpfung, aber möglicherweise auch eine Welt ohne Ende ist. Die Inkarnation der Cyborgs vollzieht sich außerhalb der Heilsgeschichte.
Cyborgs sind Geschöpfe in einer Post-Gender-Welt. Nichts verbindet sie mehr mit Bisexualität, präödipaler Symbiose, nichtentfremdeter Arbeit oder anderen Versuchungen, organische Ganzheit durch die Unterwerfung der Macht aller Teile unter ein höheres Ganzes zu erreichen.“ (Haraway 1995, 35)



the body is the meat... what is your mind?
„Der Roboterforscher Hans Moravec von der renommierten Carnegie Mellon University stellt sich vor, dass wir im Cyberspace tatsächlich Unsterblichkeit finden und damit die Verheißung der Offenbarung verwirklichen, ‚der Tod wird nicht mehr sein’. In seinem Buch Mind Children schreibt Moravec begeistert von der Möglichkeit, unseren Geist in Computer zu ‚überspielen’ und damit das Fleisch zu transzendieren, so dass wir in der digitalen Sphäre ewig leben.“ (Wertheim 2202, 9)


themen, die in nächster zeit ergänzt werden:
woher weißt du, ob du schläft oder wach bist?

alienated nature
kulturdimensionen und science fiction

wo bist du, wenn du im netz bist?

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Literatur:

Magaret Wertheim: The Pearly Gates to Cyberspace
Donna Haraway: A Manifesto for Cyborgs
S. Ben-Tov: Artificial Paradise

William Gibson: The Neuromancer Triology
Lewis Caroll: Alice in Wonderland / Through the Looking Glass
Jeff Noon: Vurt / Nymphomation / Pollen / Automated Alice / Falling Out Of Cars / Pixel Juice

my bloody vanity

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