:POWEREDBY_broken.hearted:
somehing old and something new...

something borrowed, something blue...


deutschland verharrt im stillstand, teilweise unter wasser, wie jedes frühjahr, welche überraschung, vielleicht sollten flussuferbewohner im osten der republik einfach mal einen umzug in erwägung ziehen? wäre auf dauer sicher billiger.


während man hier unfreiwillig plantschen geht, zeigt der rest europas, dass veränderungen durchaus möglich sind: in frankreich portestierten studierende so lange gegen den abbau des kündigungsschutzes, bis das neue gesetz gestern tatsächlich zurückgenommen wurde. ob das gesetz an sich nun eine sinnvolle einrichtung gewesen ist oder nicht, sei mal dahingestellt, eins aber ist glasklar: dieses ergebnis ist ziemlich beschämend für deutsche studierende. zu mehr als zu halbherzigen klecker-demonstratiönchen konnte man sich hier zu lande nicht aufraffen, um gegen studiengebühren vorzugehen. kein wunder, dass sich niemand um diesen kindergarten scherrte. wenn die so genannte "zukünftige elite" schon nicht das standvermögen hat, einen kampf für ihre eigenen belange durchzuhalten, dann gute nacht, deutschland!



und italien wählt anscheinend berlusconi ab.
es bewegt sich also doch was. wenn auch nicht hier.
11.4.06 12:04


deconstruction - ein lamento

was kommt? was bleibt?


In einer gesellschaft, in einer kultur, die alles aufzuklärende aufgeklärt hat, die alle, fast alle, mythen erklären konnte und sie durch erklärungen dekonstruierte und dann, nachdem keine mythen mehr zu dekonstruieren waren, die aufklärung selbst dekonstruierte, letztlich die dekonstruktion dekonsturierte – in so einer gesellschaft also, die zudem noch die individualisierung auf die spitze trieb, die so lange individualisierte, bis sich das individuum entindividualiserte, bis der einzelne ein bindungs- und bedeutungsloses staubkörnchen in einer anonymen masse aus individuen war – in so einer gesellschaft also, die ihre eigene sinnlosigkeit feierte, in einer kultur, in der (beinahe) alle tabus gebrochen oder doch zumindest brechbar sind, in der alles vorstellbar, alles möglich ist – in so einer kultur, was kann da noch folgen? was kann jetzt noch kommen?



denn nicht nur, dass keine tabus mehr da sind, die man brechen könnte – und sei es auch nur, weil der vermeintliche tabubruch niemanden mehr schockieren würde, niemandem erst auffallen würde, sind die individuen doch mit sich selbst beschäftigt – nicht nur, dass nichts mehr da ist, was man noch dekonstruieren könnte. nicht nur das – vielmehr noch: die menschen sind der dekonstruktion müde geworden, wollen ihre welt nicht mehr bis zur sinnlosigkeit atomisiert sehen, die welt ist den zynismus leid, ist des nihilismus überdrüssig – das individuum sehnt sich nach gesellschaft.



auf postmodern folgte posthuman, auf den menschen im informationszeitalter folgte der mensch im virtuellen zeitalter, auf individualisierung folgte entkörperlichung, die grenzen sind hier naturgemäß verschwommen. nur, dass virtuelle welten ohne mythen nicht mehr auskommen. nur, dass auch die naturwissenschaften plötzlich feststellen, dass das individuum, auf sich allein gestellt, evolutionär benachteiligt ist.



niemand will mehr hören, dass letztlich alles sinnlos ist, dass alle bedeutungen illusionen sind. die gesellschaft will illusionen, will sinn. menschen scheinen im angesicht ihrer eigenen bedeutungslosigkeit auf dauer nicht lebensfähig zu sein. Ohne den glauben an das gute erst recht nicht. was kommt, ist also eine sinnsuche – und damit zwangsläufig eine rückbesinnung. eine rückbesinnung auf werte, auf gesellschaft, auf familie. eine rückbesinnung auch auf mythen, auf religion. zynismus, individualisierung, entfremdung, soziale kälte wecken die sehnsucht nach echten gefühlen, nach bindungen, nach etwas, an das man glauben kann. nach etwas, das wärmt.


das muss nicht per se schlecht sein – auch wenn am extremen ende der fundamentalismus lauert, auch er erwachsen aus der angst vor bedeutungslosigkeit, aus angst vor einer sinnlosen welt. eine rückbesinnung auf werte, auf ethik, auf moral, auf gemeinschaft, kann durchaus zu einer neuen erkenntnis der verantwortung führen, die jeder einzelne trägt. Damit auch zu einer re-politisierung der verantwortungslosen und politikmüden gesellschaft. eigentlich etwas gutes.


warum fühle ich mich damit trotzdem unwohl? etwa, weil ich dann outdated bin?
12.4.06 16:33


fortsetzung

was wird aus den kindern der postmoderne, aufgewachsen in dem wissen, das es nichts gibt, was heilig ist, nichts, woran man glauben muss (glauben kann), nichts, woran man sich halten muss (halten kann), in dem wissen, dass die letzte instanz das individuum ist, dass es zu feiern gilt?


und nun ist die party einfach vorbei?


wie soll man sie mit einem ein viertel jahrhundert lang geschulten zynismus begrüßen, diese neue sehnsucht nach romantik, nach liebe, nach bindung, nach einem unkritischen glaube an das gute, widergespiegelt in all den du-bist-deutschland-kampagnen, den wir-helfen-in-der-not-reality-soaps, den beziehungs- und familienthemen in film und literatur?
wie soll ich denn bitte darauf reagieren, wenn dinge, an deren dekonstruktion, an deren atomisierung ich selbst beteiligt war, plötzlich wieder zusammengesetzt werden? was bleibt mir als glaubens- und haltlosen menschen, wenn glaube und halt wieder an bedeutung gewinnen?


es scheint ein punkt gekommen, an dem es nicht mehr vorwärts geht, weil da kein vorwärts mehr ist, weil alles schon mal da war. ein punkt, an dem die einzig mögliche richtung das zurück ist. sieht aus, als hätte die postmoderne recht behalten mit ihrer meinung, sie sei „das ende der geschichte“.
und das soll ich nicht bedauern? das ende der geschichte zu erleben, das ende der kultur? kann es denn sein, dass wir uns ab jetzt in zyklen bewegen müssen, wieder anfangen auf der grundlage von werten, von gemeinschaft, von glauben, vielleicht sogar von mythen, uns dann weiter vorwärts bewegen auf eine erneute individualisierung und dekonstruktion, nur um dann wieder von vorne zu beginnen? kann das sein?
oder war das einfach schon immer so? denkt vielleicht jede epoche, dies sei nun das ende, es folgt eine kurze renaissance – und danach geht es dann doch noch einen schritt weiter als zuvor? Sollte es hoffnung geben? hoffnung auf eine noch hoffnungslosere epoche als die, die wir hiermit hinter uns lassen?
was kommt?
was bleibt?
12.4.06 16:34


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